Stadt- und Kreisarchäologien – Fachleute vor Ort

Hessen verfügt über ein unverzichtbares Instrument der Landesarchäologie: hauptamtliche Stadt- und Kreisarchäologen. Fast alle sind bei den Unteren Denkmalschutzbehörden angesiedelt. Städte und Landkreise, die kommunale Archäologen beschäftigen, genießen dadurch viele Vorteile. Besonders wichtig ist die Zusammenarbeit mit den Bauämtern und Planungsbüros vor Ort. Die Nähe zu den Archäologen ermöglicht einen engen Kontakt und damit mehr Sicherheit bei der Planung von neuen Gewerbe- oder Wohngebieten. Im Gegensatz zu den Mitarbeitern des Landesamtes für Denkmalpflege haben die kommunalen Archäologen darüber hinaus direkten Zugang zu Einzelbauvorhaben. Damit kann die Beratung der Bauherren schon gleich nach Einreichung der Bauanträge sichergestellt und notwendige Grabungen lange vor Baubeginn in Angriff genommen werden. Zu Bauverzögerungen kommt es dort, wo Stadt- und Kreisarchäologen tätig sind, deshalb nur sehr selten. 

In enger Zusammenarbeit mit der Archäologischen Denkmalpflege des Landesamtes besteht so die Möglichkeit, die Belange zum Schutz von Bodendenkmälern stärker wahrzunehmen oder in kurzer Zeit Rettungsgrabungen und Notbergungen einzuleiten. Grundlage der Archäologischen Denkmalpflege in den Städten und Kreisen ist die Erfassung der Bodendenkmäler. Im Main-Kinzig-Kreis sind beispielsweise rund 2500, im Wetteraukreis etwa 3000 Plätze dokumentiert. In den großen Waldgebieten des Kreises Offenbach sind allein über 450 vorgeschichtliche Grabhügel erfasst worden. Ständig kommen überall – durch eigene Geländebegehungen und Luftbildprospektionen – neue Fundplätze hinzu. Es handelt sich also um eine Arbeit, die das Landesamt in dieser Form nicht bewältigen kann. Unterstützt werden die Kolleginnen und Kollegen durch ehrenamtliche Mitarbeiter, die von ihnen auch selbst betreut und geschult werden.

Nicht zu unterschätzen ist die Öffentlichkeitsarbeit, die von den Stadt- und Kreisarchäologen geleistet wird. Dazu gehören regelmäßige Presseberichte, Vorträge, Volkshochschulkurse und Schülerprojekte. So wird z. B. im Wetteraukreis zurzeit ein Archäologiekoffer für Schulklassen erarbeitet, der Anschauungsmaterial zur Jungsteinzeit enthält und für den Unterricht ausgeliehen werden kann. In Fulda und Hanau sind die dortigen Archäologen mit den städtischen Museen verbunden. Zu ihrem Aufgabengebiet gehören daher noch die Betreuung des Museumsbestandes und die Ausrichtung von Ausstellungen. Das Museum der Stadt Hanau hat sich vor allem in der Kinder- und Jugendarbeit einen hervorragenden Namen gemacht.

 

Karte mit stadt- und kreisarchäologischen Standorten.
Grafik: rjm Medienservice