Siegfried RCT Enders

Folterturm Büdingen

Büdingen verfügt über eine einzigartige, fast komplette Stadtbefestigungsanlage, wie sie nur noch selten in Deutschland und Europa zu finden ist. Der Magistrat der Stadt Büdingen ist sich der Bedeutung dieser Befestigungsanlage bewusst und hat sich erfreulicherweise dazu entschlossen, in den nächsten zehn Jahren eine umfassende Sanierung der gesamten Anlage durchzuführen.

Die Befestigungsanlagen bestehen aus zwei Mauerringen. 1353 ist die Befestigung der mittelalterlichen Stadt mit Mauern, Türmen und zwei Stadttoren urkundlich belegt. Das damalige Stadtareal erwies sich jedoch bald als zu klein, und so entstand im Norden entlang einer an der nördlichen Talseite vorbeiziehenden Straße eine neue Siedlung vor den Toren der Stadt. Diese erhielt 1390 ein eigenes Privileg eine Stadtmauer zu errichten. 1476 nahm Graf Ludwig II. ein großes Festungsbauprogramm in Angriff. Rund um die im Zuge der Waffenentwicklung bereits veralteten Stadtmauern wurde ein zweiter Befestigungsring gelegt. Er bestand nunmehr aus Dämmen, mächtigen Wällen zwischen zweischaligen Mauern, die einen Durchschuss erschwerten und auf denen Geschütze bewegt werden konnten.
Um die Außenfronten zu bestreichen, wurden Rundtürme (Rondelle) vorgelegt und an den gefährdeten Ecken besonders mächtige Bollwerke angelegt, die der neuen Artillerietechnik Rechnung trugen. 1503 wurde die Anlage mit dem Jerusalemer Tor abgeschlossen.

Um die zukünftigen Restaurierungsmaßnahmen in ihren Methoden und wirtschaftlichen Auswirkungen einschätzen zu können, hat man sich entschlossen, den an der nordöstlichen Ecke gelegenen Rundturm, den sogenannten Foltertum, als Pilotprojekt zu restaurieren. Im oberen Bereich des Turmes waren durch die Vernachlässigung der Bauunterhaltung erhebliche konstruktive Schäden bereits entstanden, die sich u.a. in breiten Rissen zeigten. Hier mussten Maueranker und Nadelanker in ein zuvor verpresstes Mauerwerk eingebracht werden. Danach konnte die kuppelförmige zweischalige Abdeckung und die Entwässerung des Kuppeldaches wieder in Ordnung gebracht werden. Nach einer sorgfältigen Analyse der vorhandenen Schadstoffe und des Fugenmörtels konnte für die Fehlstellen eine Rezeptur für den neuen Fugenmörtel entwickelt werden.

Das Projekt wurde durch die Steinmetze der Schlossbauhütte durchgeführt, die Jahre zuvor an den Mauern des Schlosses in der Steinsanierung Erfahrungen mit dem Büdinger Sandstein gewinnen konnten.

Die nunmehr bei der Restaurierung des Folterturms gewonnenen Erkenntnisse ermöglichen es, ein langfristiges Restaurierungskonzept für die gesamte Befestigungsanlage von Büdingen zu erstellen.

Die Restaurierung des Folterturms wurde vom Land Hessen gefördert.