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Nikolaus Heiss
Der Wasserturm am Darmstädter Hauptbahnhof:
1978 gerettet – 25 Jahre später saniert
Mit der Verbreitung der Eisenbahn in Deutschland ab 1835 mussten leistungsfähige Wasserversorgungseinrichtungen geschaffen werden. Die so genannten Wasserkräne zum schnellen Befüllen der Lokomotiven wurden von Wassertürmen
gespeist, die ihr Wasser meist aus nahebei angelegten Tiefbrunnen erhielten. Mit dem schnell wachsenden Eisenbahnnetz und der immer höheren Zugfrequenz wuchs der Wasserbedarf um ein vielfaches. Die
Wassertürme wurden immer höher und größer. Sie mussten betriebssicher sein, ausreichend Druck erzeugen und genügend Vorrat haben. Verschiedene Techniken wurden entwickelt. Anfangs aus Eisen, später auch aus Beton gab
es Flachboden-, Hängeboden-, Stützboden- und Kugelbehälter, geschlossen oder offen. Der Darmstädter Wasserturm wurde als Teil des Pützerschen Hauptbahnhofs nach
Plänen des Mainzer Baurats Friedrich Mettegang 1910/12 errichtet.
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Er ist aus Ziegeln gemauert und verputzt. Sein voluminöser, schiefergedeckter Turmhelm dominiert den gesamten Bahnhofsbereich. Die Dachkonstruktion besteht
aus einem Holztragwerk, das zusammen mit dem nach oben offenen stählernen Wassertank die Dachhülle trägt. Der halbkugelförmige Hängebodentank heißt nach seinem Konstrukteur, Ingenieur Professor Georg Barkhausen
von der TH Hannover, Barkhausen-Behälter. Dieser Wasserbehältertyp wurde bereits 1898 entwickelt und war vor allem nach der Jahrhundertwende weit verbreitet. Eine weitere Besonderheit des Turms ist die Kombination von
Wasserhochbehälter und Stellwerk in einem Gebäude. Es wurden damals nur vier Türme dieser Art in Deutschland gebaut. Der Darmstädter ist der letzte erhaltene.
Ab 1957 ist die Eisenbahn elektrifiziert worden, so dass die Wassertürme für die Bahn entbehrlich wurden. Der Darmstädter Turm blieb stehen, weil sein Stellwerk noch in Betrieb war.
1978 jedoch, nachdem auch das Stellwerk ausgelagert war, hatte die Deutsche Bundesbahn keine Verwendung mehr für den Wasserturm am Hauptbahnhof und plante seinen Abriss. In der Darmstädter Bürgerschaft regte
sich Widerstand, der Denkmalbeirat setzte sich vehement für seine Erhaltung ein und das Landesamt für Denkmalpflege stellte den Turm am 8. August 1978 wegen seiner städtebaulichen und technischen Bedeutung
unter Denkmalschutz. Damit war das Kulturdenkmal zwar vor dem Abbruch gerettet, aber seine Zukunft ungewiss. Nach einem langjährigen Prozess zwischen Bahn und Land gab das Verwaltungsgericht dem Landesamt
recht, die Bahn suchte einen Interessenten. 1985 kaufte der Architekt und Musiker Albrecht Pfohl den Turm. Seinem Engagement über viele Jahre ist es zu verdanken, dass der Turm eine neue, sinnvolle Nutzung als Atelier und
Veranstaltungsstätte bekam. Er investierte viel Geld und Kraft in die Erhaltung und Unterhaltung des Turms. Aber als nicht zu bewältigendes Problem der letzten Jahre erwies sich
der immer schlechtere Zustand des Daches und der Fassade – die Substanz war gefährdet. Die mit ungefähr 300.000 EUR geschätzten Sanierungskosten überstiegen die finanziellen Möglichkeiten des Eigentümers. Erst nach dringlichen
Appellen erklärten sich Stadt und Land bereit, die Maßnahme aufgrund der Bedeutung des Kulturdenkmals und wegen der Unzumutbarkeit für den Eigentümer mit je einem Drittel zu fördern. Im Dezember 2003 endlich war die Sanierung
abgeschlossen. Der Turm ist jetzt dauerhaft gesichert und wird in etwa einem Jahr zusammen mit der ebenfalls in Sanierung befindlichen angrenzenden Fachwerkstahlbrücke von 1912 als beachtliches Technikensemble wieder
zugänglich sein. |