Heinz Wionski

Wiedergewonnene Raumeinheit

Mit der Gründung einer selbständigen evangelisch-reformierten Gemeinde in dem Odenwaldort Affolterbach entstand 1907 – anstelle eines spätgotischen Vorgängerbaus – eine neue Dorfkirche.

Architekt war Friedrich Pützer, der 1902 zum ordentlichen Professor für Städtebau und Kirchenbau an der TH Darmstadt berufen worden war, im selben Jahr die Aufgabe des Denkmalpflegers in der Provinz Rheinhessen übernahm und 1908 zum Kirchenbaumeister der Evangelischen Landeskirche ernannt wurde.


Die Affolterbacher Kirche zeigt die von Pützer bekannte Sicherheit in der baukörperlichen und freiräumlichen Fügung. Der Grundriss ist kreuzförmig mit asymmetrisch eingefügtem Turm. Freistehender Altar, Kanzel vor der Altarrückwand sowie die Orgelempore bezeichnen eine im evangelischen Kirchenbau seit dem 17. Jahrhundert verbindliche Achse. Die vorherrschende dunkle Holzsichtigkeit der Ausstattung, akzentuiert durch Intarsien und farbige Bemalung mit Jugendstil-Ornamenten, und der gleichfalls dunkle, rot-braune Grundton der Wandfassung kontrastierten mit dem hellen Lichteinfall durch die farbig verglasten Seitenschiff-Fenster.

Eine purifizierende Renovierung 1962 zerstörte den ursprünglich einheitlichen und festlichen Raumeindruck. Das Holzwerk von Dachstuhl und Ausstattung erhielt eine graue Lasur. Die grobkörnigen Putzflächen mit der in Leimfarbe aufgetragenen Originalfassung wurden mit weißer Dispersionsfarbe überstrichen. Persönliche Erinnerungen und Fotografien hielten das Bild des alten Kirchenraumes lebendig. In einer restauratorischen Voruntersuchung von 1999 konnte die Palette der Farbgebung und die Ornamentik der die Architekturgliederung unterstützenden Schablonenmalereien ermittelt werden. Kirchengemeinde, Landeskirche und Landesdenkmalpflege entschieden sich daraufhin einmütig für die im Jahre 2001 ausgeführte Wiederherstellung der alten Raumfassung und Farbigkeit – geleitet von dem Wunsch, die zwischenzeitlich aufgegebene Einheit von Raumform, erhaltener Ausstattung und Raumbedeutung wiederzugewinnen.