Heinz Wionski Wiedergewonnene Raumeinheit
Die Affolterbacher Kirche zeigt die von Pützer bekannte Sicherheit in der baukörperlichen und freiräumlichen Fügung. Der Grundriss ist kreuzförmig mit asymmetrisch eingefügtem Turm. Freistehender Altar, Kanzel vor der Altarrückwand sowie die Orgelempore bezeichnen eine im evangelischen Kirchenbau seit dem 17. Jahrhundert verbindliche Achse. Die vorherrschende dunkle Holzsichtigkeit der Ausstattung, akzentuiert durch Intarsien und farbige Bemalung mit Jugendstil-Ornamenten, und der gleichfalls dunkle, rot-braune Grundton der Wandfassung kontrastierten mit dem hellen Lichteinfall durch die farbig verglasten Seitenschiff-Fenster. Eine purifizierende Renovierung
1962 zerstörte den ursprünglich einheitlichen und festlichen Raumeindruck. Das Holzwerk von Dachstuhl und Ausstattung erhielt eine graue Lasur. Die grobkörnigen Putzflächen mit der in Leimfarbe aufgetragenen
Originalfassung wurden mit weißer Dispersionsfarbe überstrichen. Persönliche Erinnerungen und Fotografien hielten das Bild des alten Kirchenraumes lebendig. In einer restauratorischen Voruntersuchung von 1999 konnte die Palette der
Farbgebung und die Ornamentik der die Architekturgliederung unterstützenden Schablonenmalereien ermittelt werden. Kirchengemeinde, Landeskirche und Landesdenkmalpflege entschieden sich daraufhin einmütig für die im Jahre 2001
ausgeführte Wiederherstellung der alten Raumfassung und Farbigkeit – geleitet von dem Wunsch, die zwischenzeitlich aufgegebene Einheit von Raumform, erhaltener Ausstattung und Raumbedeutung wiederzugewinnen.
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